Über Messer und Bestecke

Messer Macher
Joseph Anton Kapeller (Kupferstich 1799). „Ein Bauer aus der Umgebung von Sterzing zum Landsturm gerüstet.” Zu sehen ein zweiteiliges Besteck in seiner rechten Lederhosentasche.

Das Messer zählte im Mittelalter bis früh in die Neuzeit hinein zum persönlichen Besitz eines Menschen und durfte daher nicht gepfändet werden. Messer wurden als selbstverständliches Accessoire stets mitgeführt. Zu Tisch führte man die Speisen, wenn nicht mit den Fingern, mit dem Messer zum Munde. Allmählich wurde die Gabel zum Partner des Messers und etwa ab 1600 mit dieser paarig gestaltet. Messer und Gabel transportierte man in so genannten “besteckten” Lederscheiden, wo der Name “Besteck” drauf zurückzuführen ist. Bis ins 20. Jahrhundert lagen Messer und Gabel nicht immer auf dem Tisch bereit und so kam das persönliche Speisebesteck zum Einsatz. Das kostbar gestaltete Besteck wurde zu wichtigen Anlässen wie Taufe oder Hochzeit geschenkt und in vielen Gegenden, so etwa auch in Südtirol, zum Bestandteil der Tracht. Zum “Tischzeug” gehörte neben einem spitzen Messer und einer zweizackigen Gabel häufig ein “Pfriem”, der als Wetzstahl oder als Ahle ausgeführt war. Alles wurde in einer Scheide aus verziertem Leder verstaut. Männer trugen es in der Hosentasche oder seitlich in der Lederhose, Frauen am Gürtel. Aber auch, wer auf Reisen war, so etwa Fuhrleute, führten Messer und Gabel selbstverständlich mit, da man bis ins 19. Jahrhundert nicht immer damit rechnen konnte, in einem Gasthaus ein Besteck zur Verfügung gestellt zu bekommen. Die “Tischzeuge” werden daher im Antiquitätenhandel heute mitunter ganz einfach als “Fuhrmannsbesteck” bezeichnet.